Von Rostlern, Riesen und Rummsern
Am gestrigen Gründonnerstag kehrten wir abermals im spielerischen Sinn in Baerenburg ein – in seiner endgültigen Version. Begonnen wurde mit einem klasssischen Versteckenspiel der Kindercharaktere Isa (9) und Marie (8), welches zufällig zu einer Entdeckung im Kluggenhauptquartier „Makaberg“ führte und bald schon holten die Kinder sich Hilfe und Rat von Erwachsenen (da Isas Kluggenmitbewohner noch in Krankreich sind) aus der Siffbarschaft.
Da standen sie nun, die Spielercharaktere: Das Elfenmädchen Isa, die kleine Marie Vielkind (Nichte von Fritz Frontmann), der Drescher Paul Krüppler, der Wisser Norbert Neunmalklug und der zwergische Eisenschneider Rudlic. Vielleicht erwartete man, dass ich die Charaktere durch die Strassen des „neuen“ Baerenburgs sightseeingmäßig hetzen würde, doch stattdessen sollten sie das ganze Abenteuer im Haus bleiben und hier erfahren, was draussen vor der Tür Phase ist. Die Charaktere gingen also nicht raus in die Stadt, sondern die Stadt kam zu ihnen.
Und was da los war. Bei der oben erwähnten Entdeckung handelte es sich um mit der Zeit immer lauter werdende Klopf- und Schlaggeräusche, als würde jemand unter der Speisekammer des Hauses einen Tunnel graben. Es dauerte keine 2 Tage, da war es dann auch endlich soweit – bei einer Lauschkontrolle entdeckte Paul den neuen Riss im festgestampften Speisekammerboden, kurz darauf brach er auch schon in einer Wolke aus Staub, Schutt und Geröll hinab in den Tunnel vor die Füße buddelnder Rostler.
Was folgte, war eine wirklich ereignisreiche Session mit viel Tempo. Angefangen mit den (letztendlich nur ?41?) Rostlern, die einen alten Tunnel der Cor angegraben hatten und in den kommenden Stunden nun grüppchenweise in den südwestlichen Stadtteil – durch das Haus der Charaktere – fliehen wollten, über das vierköpfige „Empfangskomitee“ der Sechsunddreissig Riesen (eine örtliche Straßenbande), welche dem Begriff Begrüßungsgeld eine gänzlich neue Bedeutung verlieh und das präzise, unglaublich schnelle Abschlachten dieser Hünen durch die Erwachsenen unter den Charakteren, als diese sich im Wohnbereich am Tunnelausstieg einzunisten drohten. Unvergesslich die Begegnung mit den bald darauf eintrudelnden Söldnern der Gilde, mit ihren ganz eigenen Plänen für den Tunnel und das extrem blutige Umlegen dieser Gesellen, wonach die kleine Marie voll Blut- und Hirnmasse bespritzt um zwei Wahnsinnspunkte reicher war und regeltechnisch nun vor ihrer Mackenschwelle steht. Psychokids of da siff sag ich nur.
Und schließlich die Häscher der Inquisition, welche das Haus stürmten, während die Charaktere sich an der Rückseite des Hauses schon hinab liessen und zu Josefs Schuttberg flohen, gekrönt von der gewaltigen, donnernden Explosion, die das Kluggenhauptquartier pulverisierte und mir geschockte Blicke der Spieler beschehrte, die meine ausgeschmückte Beschreibung der Zerstörung schließlich unterbrachen und um etwas Bremse baten.
Es war eine wirklich unterhaltsame Session gewesen,die Spieler wurden mit der Problematik der zweigeteilten Stadt konfrontiert und gleichzeitig erfuhren sie durch die zahlreichen InGame-Dialoge, wie sie selbst, Rostler, versiffte Straßenbanden, Organisationen wie die Gilde und schließlich die Kirche mit der Thematik umgehen und was für unterschiedliche Meinungen und Motivationen sie dazu haben. Und als ich schließlich noch lüftete, dass das Haus Makaberg von den Spielern mit den offiziellen Kluggenregeln neu aufgebaut werden soll, verstand man die unausweichliche Explosion (am Ende wären noch Knüppler aus Rostburg mit ‘ner Menge Schwarzpulver anmarschiert, nicht zu vergessen die hohe Wahrscheinlichkeit, dass bei zu viel Lärm der Corgang einbrechen und die Wasser der Weh einlassen könnte^^) der geliebten Buchte und Frust wurde löste sich in Wohlgefallen auf.
Dank dem aureliusianischen Reichsgrund hat Baerenburg seine ursprünglichen Facetten wieder erhalten und die gestrige Spielsitzung hat nur einen Teil der Spitze des Plotberges, der nun in den Mauern dieser Stadt schlummert, angekratzt und vorgestellt – in den kommenden Sitzungen dürften noch einige interessante Entdeckungen via Settingbespielung ans Licht kommen und die Aufzeichnungen um hilfreiche Details ergänzen.